Warum wir unsere eigenen Grenzen oft erst zu spät erkennen
- Heike Gottschling-Wulf
- 1. Aug.
- 2 Min. Lesezeit
Manchmal hören wir einen Satz, der sich vernünftig anhört.
„Überprüf doch mal dein Umfeld.“
Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar. Wenn uns Menschen nicht guttun, sollten wir Abstand gewinnen. Wenn uns eine Situation dauerhaft belastet, sollten wir etwas verändern.
Trotzdem scheitert genau das erstaunlich oft.
Nicht, weil Menschen die Belastung nicht erkennen. Sondern weil zwischen dem Erkennen und dem Handeln etwas anderes steht.
Ein schlechtes Gewissen.
Die Angst, jemanden zu enttäuschen.
Die Sorge, egoistisch zu wirken.
Oder die Hoffnung, dass sich die Situation vielleicht doch noch verändert.
Deshalb bleiben viele Menschen länger, als ihnen guttut. Nicht nur in Beziehungen. Auch im Beruf, in Freundschaften oder innerhalb der eigenen Familie.
Von außen wirkt das manchmal unverständlich.
Von innen fühlt es sich völlig anders an.
Denn jede Entscheidung ist mit den eigenen Erfahrungen, Werten und Prägungen verbunden. Wer gelernt hat, es allen recht machen zu müssen, wird nicht plötzlich Grenzen setzen können, nur weil jemand dazu rät.
Genau deshalb reicht es nicht, das Umfeld zu betrachten.
Mindestens genauso wichtig ist die Frage, warum bestimmte Situationen so schwer auszuhalten sind und weshalb manche Entscheidungen so viel Angst machen.
Erst wenn wir uns selbst besser verstehen, entstehen neue Möglichkeiten. Dann treffen wir Entscheidungen nicht mehr nur aus Gewohnheit, Schuldgefühl oder Angst, sondern bewusst.
Darum geht es in der Ausbildung „Fachkraft für psychosoziale Entwicklung“.
Sie vermittelt keine fertigen Lösungen für das Leben. Sie unterstützt Menschen dabei, die eigenen Verhaltensmuster zu erkennen, Zusammenhänge zu verstehen und sich selbst so gut kennenzulernen, dass neue Entscheidungen überhaupt möglich werden.
Denn manchmal verändert sich das Leben nicht dadurch, dass andere Menschen sich ändern.
Manchmal verändert es sich, weil wir beginnen, uns selbst besser zu verstehen.





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