Wann ist eigentlich gut genug?
- Heike Gottschling-Wulf
- 4. Aug.
- 2 Min. Lesezeit
Die meisten Menschen kennen das Gefühl.
Eine E-Mail ist längst fertig – und trotzdem wird sie noch einmal gelesen.
Ein Projekt ist abgeschlossen – und trotzdem gibt es noch eine Kleinigkeit, die verbessert werden könnte.
Das Wohnzimmer ist aufgeräumt – und trotzdem wird noch einmal das Kissen gerichtet oder die Vase ein Stück verschoben.
Von außen betrachtet wirkt das oft wie Genauigkeit.
Von innen fühlt es sich häufig ganz anders an.
Denn die eigentliche Frage lautet nicht: Ist das Ergebnis gut genug?
Sondern: Wann fühlt es sich endlich gut genug an?
Genau darin liegt für mich der entscheidende Unterschied.
Perfektionismus hat häufig weniger mit hohen Ansprüchen zu tun als mit dem Wunsch, endlich das Gefühl zu haben, zu genügen. Dass man zufrieden sein darf. Dass man aufhören darf.
Doch dieses Gefühl stellt sich oft nicht ein.
Kaum ist eine Aufgabe erledigt, richtet sich der Blick schon auf die nächste. Es wird noch einmal kontrolliert, noch einmal verändert oder noch einmal darüber nachgedacht. Nicht, weil es notwendig wäre, sondern weil die innere Ruhe ausbleibt.
Deshalb glaube ich, dass Perfektionismus selten an der Aufgabe selbst entsteht.
Er entsteht dort, wo Menschen nie gelernt haben, woran sie erkennen können, dass ihre Leistung ausreicht – und dass ihr eigener Wert nicht davon abhängt, ob etwas fehlerfrei gelungen ist.
Genau hier sehe ich eine Bildungslücke.
Wir bringen Kindern bei, Aufgaben richtig zu lösen. Das ist wichtig.
Doch wer zeigt ihnen, wie sie mit sich selbst umgehen können, wenn etwas nicht perfekt geworden ist?
Wer vermittelt ihnen, dass Fehler zum Lernen dazugehören?
Wer erklärt ihnen, dass ein Mensch nicht erst dann wertvoll ist, wenn alles gelingt?
Diese Fähigkeiten begleiten uns ein Leben lang. Sie beeinflussen, wie wir arbeiten, Entscheidungen treffen, Beziehungen führen und mit uns selbst sprechen.
Genau deshalb beginnt persönliche Entwicklung nicht erst dann, wenn etwas schiefläuft.
Sie beginnt in dem Moment, in dem wir unsere eigenen Muster erkennen und verstehen.
Aus diesem Gedanken heraus ist die Ausbildung „Fachkraft für psychosoziale Entwicklung“ entstanden.
Sie richtet sich an Menschen, die lernen möchten, sich selbst bewusster wahrzunehmen, eigene Verhaltensmuster zu verstehen und einen gesünderen Umgang mit sich selbst und anderen zu entwickeln.
Denn manchmal besteht der wichtigste Schritt nicht darin, noch besser zu werden.
Sondern darin, zum ersten Mal ehrlich sagen zu können:
„Es ist gut genug.“ https://www.praxis-gottschling-wulf.de/ausbildung





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