Manchmal fehlen nicht die guten Absichten – sondern das Wissen
- Heike Gottschling-Wulf
- 3. Aug.
- 2 Min. Lesezeit
„Stell dich nicht so an.“
„Reiß dich zusammen.“
„Das wird schon wieder.“
Fast jeder kennt solche Sätze. Manche haben sie selbst schon einmal gehört. Andere haben sie vielleicht sogar ausgesprochen – ohne jemanden verletzen zu wollen.
Denn genau das wird häufig übersehen.
Nicht jeder verletzende Satz entsteht aus Gleichgültigkeit.
Oft entsteht er aus Hilflosigkeit.
Wenn ein Mensch erlebt, dass jemand in seiner Nähe Angst hat, weint oder völlig verzweifelt ist, möchte er meistens helfen. Doch viele wissen in diesem Moment einfach nicht, wie.
Also greifen sie auf das zurück, was sie selbst irgendwann gelernt haben.
Sie versuchen zu beruhigen.
Sie machen Mut.
Sie suchen nach einer schnellen Lösung.
Oder sie hoffen, dass ein einfacher Satz die Situation leichter macht.
Dabei kommt häufig genau das Gegenteil beim anderen an.
Nicht, weil die Absicht schlecht war.
Sondern weil das Verständnis dafür fehlt, was der andere gerade erlebt.
Und genau an diesem Punkt lohnt sich ein Perspektivwechsel.
Anstatt nur zu fragen: „Warum hat dieser Mensch so etwas gesagt?“, könnte man auch fragen: „Woher hätte er wissen sollen, wie es anders geht?“
Wer hat ihm beigebracht, wie man einem Menschen mit einer Panikattacke begegnet?
Wer hat ihm erklärt, warum gut gemeinte Ratschläge manchmal zusätzlichen Druck auslösen?
Wer hat ihm gezeigt, wie man einfach da sein kann, ohne sofort eine Lösung präsentieren zu müssen?
Die Antwort lautet in den meisten Fällen: Niemand.
Wir setzen häufig voraus, dass Menschen wissen, wie man mit schwierigen Gefühlen umgeht. Dabei haben viele genau das nie gelernt.
Deshalb sehe ich darin nicht nur eine Herausforderung für Menschen, die Unterstützung brauchen, sondern auch für diejenigen, die helfen möchten.
Denn Mitgefühl allein reicht manchmal nicht aus.
Es braucht auch Verständnis.
Aus diesem Gedanken ist die Ausbildung „Fachkraft für psychosoziale Entwicklung“ entstanden.
Sie richtet sich an Menschen, die den Umgang mit sich selbst und anderen bewusster gestalten möchten. Menschen, die lernen wollen, genauer hinzuschauen, besser zuzuhören und Situationen nicht vorschnell zu bewerten.
Denn manchmal verändert ein einziger Satz das Leben eines Menschen.
Und manchmal verändert sich genau dieser Satz, wenn wir beginnen zu verstehen, was im anderen wirklich vorgeht.





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